Die letzten Tage habe ich recht viel geschrieben, da will ich mich heute beschränken und lieber ältere Einträge nacharbeiten, schließlich ist in diesem Blog meine Tochter präsent, ihre Geburt fehlt aber noch… das ist ein Vorteil eines elektronischen Tagebuchs: man kann später hinzuschreiben, wozu man vorher nicht gekommen ist. Die Stringenz, die Papier und Stift vorschreiben, gilt für das binäre Medium nicht…
Heute war Besprechung im Büchertempel, da mir auch bei größtmöglicher Streckung die Arbeit ausgeht. Deswegen ein Machtwort vom Chef, ich soll nun doch Teile der Arbeit übernehmen, mit der Mr. Wiseguy nicht zurechtkommt. Natürlich elaborierter Protest von diesem, auch wenn er betont, dass er nicht „wie Fafner auf dem Hort sitzen will“, er will genau das. Seine Ausführungen an meine Adresse reichlich aufgeblasen und kindisch, er will mir wohl das Gefühl geben, dass er alles, ich nichts weiß… dumm nur, dass ich zwar kein Musikwissenschaftler, aber definitiv auch kein kleiner Student mehr bin… kann man ja gespannt sein, wie sich die Zusammenarbeit entwickeln wird…
Fast tat er mir leid. Für mich ist das hier nur ein Brotberuf, ich mag den Büchertempel, aber meine Tätigkeiten dort sind recht beschränkt. Für Mr. Wiseguy scheint es dagegen das einzige zu sein, wo er glänzen, wo er brillieren kann… Notiz an mich selbst: diesmal sollte ich nicht, wie ganz am Anfang, zeigen, dass ich für die Arbeit, für die er 4-5 Wochen braucht, normalerweise maximal eine benötige, es wäre zuviel und es würde ja sowieso nichts bringen. Schnelle Arbeit ist hier nicht gefragt, soviel ist sicher…
Ansonsten unangenehm: der Chef will, dass ich Kontakt zu einer wichtigen Person bei den Bayerischen Medien herstelle. Die ist zwar nett, aber ich glaube, sie wird es nicht mögen, wenn ich da einfach anrufe. Schadet mir das vielleicht in dieser Firma? Allerdings: kann mir das nicht egal sein? Noch keine Ahnung, wie ich das am diplomatischsten machen soll…
Nach der Arbeit dann kurz zum Hauptbahnhof und zum Aldi, einkaufen. Nehme auch den Prospekt mit, demnächst gibt es Büromaterial, vielleicht brauchen wir etwas? Muß da Guradono fragen…
Jetzt am Abend: Schade, dass ich nicht dazu gekommen bin, heute den Sonnenschein zu genießen. Früher, als Student, da wäre ich nach der Arbeit noch in den englischen Garten, der ja gleich hinter dem Büchertempel beginnt, gegangen, oder auch in den Hofgarten oder sonst wohin… aber ich konnte Guradono und Bacon natürlich nicht in Stich lassen. Die Freiheit des Menschen ist halt nur die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, welche Fesseln einen binden sollen, mehr gibt es nicht, ohne Zwänge, ohne Pflichten wäre man kein Mensch mehr…
Immerhin: morgens der Sonnenschein auf den Fassaden der Ludwigstraße – ein schöner Anblick. Wenn nur nicht so viele Autos wären!







