Heute den Großmeister getroffen, er war wegen anderer Dinge in den Büchertempel gekommen. Auch von ihm habe ich ein Geburtstagsgeschenk bekommen, neben ausgedruckten Photos von Bacon ein Photo von Bacon im Rahmen und eine CD (Lieder des 15. Jahrhunderts aus einem Emmeramer Codex, der heue im Büchertempel ruht). Der Großmeister schenkt mir übrigens immer CDs, dabei habe ich schon seit Jahren keine Zeit mehr, sie zu hören. Die CDs, die er mir letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hat, z.B., die habe ich bis heute nicht alle gehört. Liegt z.T. aber auch an der Musik, der Großmeister hört nur Klassische und da nicht unbedingt das, was ich mag…
Eigentlich hatte ich ihm mal vorgeschlagen, mir nichts mehr zu schenken, aber darauf hört er leider nicht… andererseits, es ist schon nett und lieb gemeint. Bin aber gespannt, wann ich diesmal dazu komme, die Musik zu hören… die Photos werde ich Guradono geben, ich habe schon genug mit Bacon zu tun, im Büro oder am Schreibtisch brauche ich sie da nicht unbedingt…
Nach der Arbeit zu meinen Eltern. Hier viel Gerede, wenig dahinter. Zum Geschenk ein Gutschein für einen Buchladen, ich lege ihn erst einmal zur Seite, er ist noch eine Weile gültig. Werde ihn benutzen, wenn ich mal zu sehr gestreßt bin, dann kann ich ein paar Stunden im Buchladen stöbern, das ist dann fast mehr wert, als der Gutschein selbst, denn im Laden gibt es viele Bücher nicht zu kaufen, die ich mag, das kenne ich schon von Weihnachten…
Viele gutgemeinte Ratschläge zu Jobsuche und Baby, aber alle fern von der Realität; Klagen über einen Neubau, der den Balkon der Wohnung in Düsternis hüllen wird. Aber auch ein Anblick der Glückseligkeit in den Augen meiner Mutter, wenn sie nur klagen und jammern kann…
Auf dem Weg zum Bahnhof ein Unglück: ich sehe von der Treppe die U-Bahn einfahren, renne hinunter, rutsche ab, kann gerade noch den Kopf hochhalten, Po, Kreuz und Rücken krachen auf die Stufenkanten, ein paar Stufen tiefer stoppe ich… die U-Bahn ist natürlich weg, alles tut weh… zum Glück ist nichts ernsthaft kaputt, nur ein Kuchen meiner Eltern in meinem Rucksack, der ist zerbrochen… aber im Magen geht alles wieder zusammen, nur photographieren werde ich ihn nur in der Packung können…
In Freising vom Bahnhof in die Stadt gelaufen… sanfter Sonnenschein, ich zwinge mich, trotz Müdigkeit und Eile, die Augen offenzuhalten und mit dem Herzen Eindrücke aufzunehmen… die Sonne an einem verblassenden Wandbild, das Haus wird demnächst abgerissen… der berühmte Mohrenbrunnen sprudelt munter, der gesprekelte dunkle Stein glitzert und glänzt im Sonnenlicht, das durch die Laubbäume scheint… wie schade, daß er nicht mehr oben, am Dom steht, wo er hingehört, sondern hier, zu nahe an der Straße, zu eng von Bäumen und einem Pfad umgeben… keine Kamera kann das Licht richtig einfangen, trotzdem wünsche ich sie mir hier… auch der Roider Jackl sprudelt, eine häßliche Brunnenskulptur für einen halbvergessenen Sänger, von der Zeit längst verschlungen, überholt… auf dem Weg auch kurz in die Pfarrkirche, kalte Strenge innen, alte Leute warten auf den Gottesdienst, ich genieße einen Augenblick das Licht, das durch farbige Gläser hineindringt, fliehe dann….
Es stimmt schon, irgendwann bald möchte ich zwei Reisebücher schreiben, eines über Japan, eines über Potsdam, warum nicht auch ein Essay über Freising? Es ist keine besondere Stadt, aber sie ist nicht unangenehm…
Der Marktplatz war wegen irgendeiner Oldtimerrallye gesperrt, alte Männer und mit Eis bestochene Kinder warten auf die Fahrer, ich eile vorbei… eine Minute in die Stadtbibliothek, ein Geheimtip, dort werden Bücher für .20 oder .50 € verkauft, in München kostete das 1 – 2 €. Finde einen kurzen chinesischen Roman, einen Band mit Briefen von Gottfried Benn, 40 cent für ein paar schöne Stunden… schließlich, ohne großen Zeitverlust zur Reinigung, Schein abgeben, Mäntel holen, Mäntel mit einer Hand halten, mit der anderen eine IKEA-Tasche auffalten und die Mäntel hineinstopfen… zu Fuß dann über die Rallyestrecke, die immer noch ohne Fahrzeuge ist, die Kinder, die ihr Eis fertig haben, sind gelangweilt… vorbei an der Trutzburg des Heilig Geist-Spitals, über mir der Domberg, durch eine gelbe, vollgeschmierte Unterführung zur Brücke… ich habe Glück, der Bus kommt fast sofort… endlich daheim, ich bin froh… Eindrücke für viele Nächte, Worte für viele Stunden, so ertrage ich das Geschrei, vor allem wenn ich das Lächeln meiner Frau sehe… vergiß’ Deine Sorgen für heute… morgen ist auch noch ein Tag!







