Mittwoch, 9. Juli, 2008...9:20

Abschied nehmen

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Heute sind Freund Boswell und ich nach der Arbeit im Büchertempel zu einen anderen Tempel gepilgert: zum Nipponsaloon in Schwabing. Denn der hat vor ein paar Tagen per Postkarte kundgetan, dass er Anfang August seine Pforten schließen will.

OK, das alleine hätte noch keinen Besuch gerechtfertigt, wir reden hier von einem Ladengeschäft, nicht von einem Museum oder anderen Ort der Kultur, aber die Postkarte sagte auch, dass im ganzen Juli ein Abverkauf mit 25 – 50 % Rabatt wäre… nun, dann ist es natürlich etwas anderes…

Denn ich will ehrlich sein, ich bin sicher auch nicht unschuldig am Niedergang des Japansalons. Ich meine, ich bin nur sehr selten da hingegangen und noch seltener habe ich etwas gekauft. Eigentlich nur einmal zwei Bücher, eine Abhandlung über Geisha und ein Büchlein über das Dichten von Haiku. Beide gut, aber beide auch teuer. Überhaupt war das immer das Problem mit dem Laden: er hatte zwar viele schöne Dinge, aber alle mehr als doppelt so teuer, als wenn man sie sich direkt in Japan besorgte. Da halfen auch die Ausstellungen, die Vernissagen, die Vorträge nichts. Wenn ein kleiner Schlüsselanhänger mit einer Manga-Katze schon 10 Euro kostet, und selbst deutsche Bücher mindestens doppelt so teuer sind als bei ZVAB oder Amazon, da bestellt man doch lieber seine Sachen woanders…

Jedenfalls sind wir den kurzen Weg vom Büchertempel zur Ohmstraßes spaziert, sind noch einmal durch die verwinkelten Räume geschlendert, durch die engen Gänge und Kammern: japanische Mode, japanische Kunst, japanischer Kitsch… ein ganzer Raum voller Manga, ein weiterer Raum voller Kimono… allerdings, selbst mit Rabatt ist alles außer den Büchern viel zu teuer, schade, der eine grellpinke Yukata, der wäre schon schön gewesen, oder dieser Brokatobi…

Am meisten Zeit verbrachten wir natürlich vor den Büchern, sind ja beide Bibliomanisch… ein schöner Nachdruck von Kaempfers Japanbuch wäre aber auch mit 50% Rabatt auf 100 Euro gekommen, zu teuer bei meiner momentanen Finanzlage. Auch die Kunstbände sind mit Rabatt immer noch teurer als bei Amazon… Freund Boswell entscheidet sich schließlich für einen großen Stapel vergriffener Lehrbücher zu Aspekten der japanischen Sprache, ich kann mich dagegen nicht entscheiden, zu viele schöne Dinge. Zum Glück hat er den passenden Rat, so kaufe ich mir zwei japanisch-englische Bildbände über Kimono (ein Band Frauenkimono, einer Kinderkimono, offenbar gibt es noch mehr Bände, die aber nicht da waren). Wunderschöne Abbildungen, gute kurze Beschreibungen… schon allein, dass ich jetzt nachschlagen kann, welcher Farbton wie auf Japanisch heißt, ist schön, auch viele Vorbilder zum abzeichnen… wie passend, dass bald mein Geburtstag ist, die beiden Bände werden so etwas wie mein eigenes Geburtstagsgeschenk an mich.

Zuhause schlagen Guradono und ich noch den japanischen Preis nach: die 50% Rabatt haben sich gerechnet, so haben sie mich „nur“ genauso viel gekostet, als wenn ich sie mir direkt bei amazon.jp bestellt hätte. Da kann man schon zufrieden sein…

Ach ja, der Saloon schließt zwar, lebt aber im Internet weiter. Wer ihn finden will, wird ihn über google schon auftreiben können. Er ist aber immer noch nicht wirklich billig…

3 Kommentare

  • Hallo lieber Japansalon-Besucher,

    Du betonst mehrmals, daß alles im Japansalon überteuert ist, vor allem die Bücher. Alle deutschen Bücher unterliegen der Buchpreisbindung und kosten im Japansalon genau soviel wie anderswo. Alle importierten Bücher sind in Regel doppelt so teuer wie in Japan, da neben dem Porto noch der Einfuhrzoll und die Mehrwertsteuer anfallen.
    Geh mal in eine Buchhandlung in Japan und kauf Dir ein deutsches Buch. Das ist oft 4 x so teuer wie
    in Deuschland.

    Jana Kirchberger
    Japansalon

  • Oh je, das kommt davon, wenn man Klarnamen verwendet, werde das in Zukunft bedenken… eigentlich lohnt es sich nicht, auf eine Antwort Zeit zu verschwenden, aber:
    Ich sprach bei deutschen Büchern nicht von den aktuellen, sondern von denen, die unter “modernes Antiquariat” fallen, und, ja, die finde ich bei Ihnen grundsätzlich zu teuer. Etwa über ZVAB lassen sich da oft günstigere Schnäppchen machen, zumindest für Menschen wie mich.
    Was japanische Bücher angeht, so ist es halt billiger, sie sich per Kreditkarte direkt in Japan zu bestellen, oder noch besser: man kennt jemanden in Japan, läßt die Sachen an ihn oder sie schicken und sie schickt es dann als normales Paket weiter, so entfällt im Allgemeinen der Zoll weg. Aber selbst mit Einfuhrzoll und Mehrwertsteuer ist das billiger als der Japansalon (ohne Rabatt), da der Gewinn für den Laden (als Zwischenhändler) wegfällt. Sicher, nicht alle Menschen kommen auf diese Idee…
    Was deutsche Bücher in Japan angeht, so habe ich hier keine Erfahrungswerte, vertraue Ihnen da gerne und völlig, mir genügen da die Buchläden in Deutschland oder deutsche Versandhandel im Internet. Daß es sich dabei aber um eine ganz andere Situation handelt, sei aber doch angemerkt. Auch in Österreich sind z.B. viele deutsche Bücher teurer als in Deutschland, ohne daß mich das groß zu kümmern braucht oder ohne daß das mit den Preisen deutscher Bücher in Deutschland irgendetwas zu tun hätte.
    Ansonsten darf ich hier zur allgemeinen Beruhigung betonen: das ist meine Meinung. Ganz persönlich, ganz subjektiv… und natürlich steht es jedem Menschen offen, eine eigene Meinung zu haben, oder sie sich zu bilden. Falls es noch nicht bemerkt wurde: dies ist ein Blog, ein Webtagebuch, und keine wirtschaftswissenschaftliche Untersuchung. So bleibt, ganz subjektiv nach meinen eigenen Erfahrungswerten die Bücher in besagten Laden (ohen Rabatt) viel zu teuer im Vergleich zu anderen Möglichkeiten, die mir offenstehen.

  • Man sollte immer bereit sein, aus seinen Fehlern zu lernen, also habe ich die Klarnamen im Eintrag verändert. Nicht, weil ich denke, Unrecht zu haben, aber meine Zeit ist mir zu kostbar, um sie mit Krämerseelchen (unhöflichen noch dazu) zu verbringen. Dumm ist natürlich, daß der richtige Name weiterhin im obigen Kommentar steht, könnte das sogar ändern, aber für den bin ich ja nicht verantwortlich…


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