Sonntag, 23. März, 2008...10:58

Frohe Ostern!

Frohe Ostern!

Ich glaube, ich sollte mich entschuldigen, ich schreibe ja kaum noch etwas… keine gute Sache, weder für Euch, die Ihr das hier lest, noch für mich selbst. Es ist ja schließlich so etwas wie ein Tagebuch, eine Beichte, eine Seelendusche für mich. Wenn ich’s nicht schreibe, fühle ich mich fast schmutzig…

Morgen ist ja noch ein freier Tag für mich. So alles gut geht, werde ich ihn nutzen, um mein Blog hier rückwärtig zumindest um ein paar Impressionen zu ergänzen. Es wäre ja sonst schade um all die verlorenen Erinnerungen. Es mag am Streß liegen, am zu schnellen Leben, an allem, was auf mich einprasselt, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß all’ die Ideen und Träume, die mir in meinemLeben bisher soviel Kraft und Freude gegeben haben, langsam verlorengehen. Wäre das nicht eine wunderbare Idee für eine Geschichte? Eine Märchengeschichte um ein Land, das langsam zerfällt… und die Bewohner rätseln und suchen nach dem Grund dafür, warum Straßen und Menschen, Werke und Zeiten auf einmal verschwinden, bis sie herausfinden, daß sie selbst nur ein Traum sind, ein Traum, der verfällt…

Heute war also Ostersonntag und damit nicht unbedingt ein schöner Tag. Denn Ostersonntag hieß auch: Besuch bei meinen Eltern und das hieß seinerseits: eine traurige Zeit voller Streit, Dummheit, Mißachtung und angebrannten Essen. Mein Vater stritt sich mit meiner Mutter, meine Mutter stritt sich mit meinem Bruder und mein Bruder stritt sich mit allen. Dazu ein ständiges “wir reden jetzt aneinander vorbei” auf allen Seiten. Was ist das nur für eine Familie, in der es unmöglich ist, dem anderen auch einmal einfach nur zuzuhören? Alles schreit, alles unterbricht einander, und immer geht es nur darum, sich selbst als unfehlbar und den Rest der Familie als minderwertig darzustellen…

Vielleicht ist das die Schuld meines Vaters? Er, der so gerne Professor geworden wäre, hat es ja schon immer darauf angelegt, uns, seinen Kindern, nur eines zu lehren: daß alles, was er sagt, wahr und Gesetz ist und wir tun können, was wir wollen, wir werden niemals seine Liebe, seinen Respekt oder gar seine Aufmerksamkeit erringen… wo meine Mutter mehr die direkte Brutalität bevorzugte, war mein Vater immer subtiler, aber desto effektiver darin, seine Kinder zu psychischen Wracks zu erziehen…

Aber es ist niemals nur die Schuld eines einzelnen Menschen. Warum bin ich, warum sind meine Geschwister niemals stark genug geworden, diesen Teufelskreis zu durchbrechen? Das ist unsere eigene Schwäche und unsere eigene Schuld…

Zum Glück war das angebrannte Lamm bald gegessen und ich konnte meinen Vater – unter Vorwand meiner Erschöpfung, dazu bringen, Guradono und mich nach Freising zu fahren. Ich glaube, Guradono war auch glücklich darüber, endlich allein und von Stille umgeben zu sein…

Trotzdem wünsche ich Euch ein frohes Osterfest – und eine bessere Familie!