Freitag, 25. Januar, 2008...9:44 Uhr nachmittags

Nichts besonderes… nur mein Leben…

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Es gibt heute wenig zu erzählen…. am Morgen bin ich gleich in der Frühe, sobald der Radiowecker ansprang, aufgestanden, ich zwang mich dazu… hatte zu wenig und zu schlecht geschlafen und seit auf Bitten Guradonos ein Sender mit klassischer Musik im Radiowecker einprogrammiert ist, ist alles noch schwieriger an solchen Tagen, denn solche Musik macht schläfrig, zu angenehm… Anziehen, schnell einen Kaffee trinken, ein paar übriggebliebene Weihnachtskecke knabbern, zum Bus rennen, vom Bus zum Zug rennen… es sind immer noch “Tokyoter Wochen”, also ein Waggon zu wenig, aber ich hatte Glück, an einem Fenster war noch ein Platz frei, die anderen Reisenden hatten sich nicht getraut, den bulligen Mann, der am Gang saß, zu bitten, ihnen Platz zu machen… ich wollte nicht schon wieder stehen oder auf der schmutzigen Treppe sitzen, also nichts wie heran, viel entschuldigen und tatsächlich, ich bekomme den Platz…

Am Münchner Hauptbahnhof diesmal nicht nach links, zur Arbeit, sondern nach rechts zur U-Bahn und in Richtung Universität… Erinnerungen an andere Zeiten, lange vorbei, lange vorbei…

Dann, der Schock, ein Blick auf das Plakat sagt, daß die Ausstellung nur noch bis zum Ende der Woche geht. Am Wochenende ist sicher keine Zeit… vielleicht? Ich schleiche die Treppe hinauf, eigentlich öffnet die Schatzkammer erst in einer halben Stunde… aber, ich habe Glück. Ich bin alleine im dunklen Raum, voller Schätze… diesmal stehen vor allem moderne Handschriften im Mittelpunkt, 18., 19., 20. Jahrhundert. Weise Mönche, Dämonen mit ausgestreckten Zungen, Götter, Sterne… eine Urkunde der Mandschu, in der schönsten Schrift der Welt, mit dem Siegel des Kaisers, beeindruckt mich ungemein… und ein Lackkasten, reich mit Goldlack verziert… darin der ganze Prinz Genji, in schönster Grasschrift. Welcher Genuß muß es sein, ein Meisterwerk zu lesen, wenn jede einzelne Seite ein Gemälde der Kalligraphie ist? Von den Einbänden der Hefte strahlt Genji in Gold auf Schwarz zu mir, er gibt einem Diener die Anweisung, den Schnee vom Baum zu schütteln, damit dies ihn und seine Geliebte erfreut… ein Bild für die Götter….

Überlege, ob ich den Katalog kaufen soll… aber es ist kein Geld da… selbst wenn ich den Job bekomme… keine Möglichkeit für den Bettler, den Bildungsbürger zu spielen, obwohl er’s möchte… ich nehme nur einen Prospekt mit, angeblich bekommt man kostenlos eine faksimilierte Handschriftenseite, wenn man die Postkarte einschickt… weiß nicht, ob ich das machen soll, das gibt sicher wieder viel Werbung…

Dann zur Arbeit. Viele Begrüßungen, manche freundlich, manche herzlich, manche voll versteckten Neid, manche voller offenen Haß. Der Mensch in allen seinen Facetten arbeitet bei mir, erstaunlich, wie durchmischt die Abteilung doch ist. Erste Anfragen, erster Streß…  Dann auf einmal neue Bewegung, starke Männer kommen, die Verlagerung des einen Photolagerraumes beginnt… ich bin Koordinator und muß nachher alles räumen… sie kommen zu spät, eigentlich sollten sie am Montag kommen… jetzt kann ich nächste Woche doch nicht freinehmen, sondern muß schon ab Dienstag wieder kommen, auch wenn ich dann einen Monat an Überstunden im ersten Monat gemacht haben werde… es hilft nichts…

Am Nachmittag schon wieder PC-Wechsel, ich will endlich einen eigenen Arbeitsplatz… die Kollegin gegenüber redet und redet und will, daß auch ich rede, aus Höflichkeit muß ich, obwohl ich nicht will… es geht um meine Eltern, was geht sie das an? schließlich geht sie, aber eine andere Kollegin kommt und redet noch mehr… wie soll man so arbeiten? Pah…

Danach zu Aldi, einkaufen. Kartoffeln, Spargel, Bananen, Mehl… an der Kasse drängt sich eine Frau vor, am liebsten würde ich schreien, ich stehe schon seit fünf Minuten in der Schlange… aber ich schreie immer nur drinnen, draußen geht das nicht…

Schließlich nach Hause… Guradono fest umarmt. Leckeres Essen, Spaghetti mit Kimchi-Soße, dazu eine Folge “Himitsu no Hanazono”, ein lustiges Dorama… Seifenopern auf Japanisch sind toll, man versteht kaum die Hälfte und kann sich die Dialoge selbst ausdenken… jetzt noch Blog und dann ins Bett…

Ein ganz gewöhnliches Leben also, mein Leben. Nicht gut, nicht schlecht, manchmal schön, manchmal glücklich, selten unglücklich und die meiste Zeit ein Kaleidoskop aus Grautönen… Ma ne, es könnte schlimmer sein…

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