Freitag, 25. Januar, 2008...9:14

Kerls, wollt ihr ewig leben?

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Seltsam ist das schon, je länger und je mehr ich arbeite, je mehr mein Leben, mein “Ich”, mein eigenständiges “Sein” in Auflösung begriffen ist, desto mehr ziehe ich mich in die Vergangenheit zurück. Genau das, was ich früher an Menschen wenn nicht verachtet, so doch höchstens erstaunt beobachtet habe, ist jetzt auch bei mir Wahrheit geworden: unfähig, mit der Gegenwart zurechtzukommen, fange ich an, meine Vergangenheit, nein: Teile, winzige Teile meiner Vergangenheit nur, zu glorifizieren und zu verehren, als wären sie Diamanten im dreckigen Mahlstrom der Zeit…

Dazu gehört offenbar auch mein Musikgeschmack. Dabei, ich muß ehrlich sein, ich habe keinen Musikgeschmack, nie gehabt… ich habe schon immer alles durcheinandergehört, klassische Musik, Pop, Rock, Heavy Metal, Soundtracks, J-Pop, Klezmer… so ziemlich alles außer Jazz und zeitgenössische klassische Musik… obwohl, Jazz nur, weil niemand, den ich kannte, Platten oder Kassetten hatte, die er mir hätte leihen können… also bleibt wohl nur die zeitgenössische Klassik. Die gefällt mir einfach nicht, obwohl ich, Bekehrungsversuchen des Großmeisters B. sei Dank!, einige CDs dazu mein Eigen nenne…

Jedenfalls, seit einigen Jahren kehre ich immer mehr zu Soundtracks und Pop / Rock zurück, zurück zu den Wurzeln… denn, als ich kleines Kind war, mußte ich mit meinem viel älteren Bruder das Zimmer teilen. Dieser, gute sechs Jahre älter als ich und leicht schwerhörig, hörte von morgens bis in die Nacht hinein immer Radio. So habe ich nicht nur die Nationalhymnen von Deutschland und Bayern verinnerlicht, mit denen damals selbst “Bayern 3″ gegen Mitternacht den Sendebetrieb einstellte, sondern auch allerhand Musik. Man kann ruhig sagen, die Zeit meiner Jugend waren die Neunziger, aber die Musik, die in mir ist, ist die der Achtziger…

Ich kenne die Titel der meisten dieser Lieder nicht, aber ein bißchen Suchen auf YouTube oder auf Google hilft weiter, schon finde ich Videos, finde ich Dateien und Texte… ich tauche in uralte Erinnerungen ein, vergöttere sie in einem Wahn von Weltflucht… wenn ich mich zu klaren Momenten der Reflektion zwinge

Aber das alles ist wohl arg theoretisch… alles, was ich sagen wollte, ist letztlich das: Ich höre jetzt in Endlosschleife Bands und Songs, über die ich noch vor wenigen Jahren verächtlich den Kopf geschüttelt hätte. Zum Beispiel “Forever Young” und “Big in Japan” von Alphaville. Reiner Discosound der Achtziger… das einzige, was man objektiv gut finden kann, sind die technischen Aspekte der Musikvideos – und den Mut zur Häßlichkeit, heute würde man keine Band mehr so auftreten lassen, man würde – Stimme hin oder her – den Sänger sofort ersetzen oder ihn wenigstens einiger Schönheitsoperationen unterziehen…

Aber, zum Teufel, mir gefällt es gerade! Wollt ihr mitsingen?

Alphaville “Big in Japan”

Winter’s cityside crystal bits of snowflakes
all around my head and in the wind
I had no illusions that I’d ever find
a glimpse of summer’s heatwaves in your eyes You did what you did to me now it’s history I see
here’s my comeback on the road again
things will happen while they can
I will wait here for my man tonight
it’s easy when you’re big in Japan

When you’re big in Japan tonight big in Japan be tight
big in Japan the eastern sea’s so blue
big in Japan alright pay then I’ll sleep by your side
things are easy when you’re big in Japan oh you’re big in Japan

Neon on my naked skin passing silhouettes
of strange illuminated mannequins
shall I stay here at the zoo or should I go
and change my point of view for other ugly scene

You did what you did to me now it’s history I see
things will happen while they can
I will wait here for my man tonight
it’s easy when you’re big in Japan

When you’re big in Japan tonight big in Japan be tight
big in Japan the eastern sea’s so blue
big in Japan alright pay then I’ll sleep by your side
things are easy when you’re big in Japan

Oh you’re big in Japan tonight big in Japan be tight
big in Japan the eastern sea’s so blue
big in Japan alright pay then I’ll sleep by your side
things are easy when you’re big in Japan oh you’re big in Japan

Oh you’re big in Japan tonight big in Japan be tight
big in Japan the eastern sea’s so blue
big in Japan alright pay then I’ll sleep by your side
things are easy when you’re big in Japan oh you’re big in Japan

Alphaville “Forever Young”

Let’s dance in style
let’s dance for a while
heaven can wait
we’re only watching the skies
hoping for the best
but expecting the worst
are you gonna drop the bomb or not
Let us die young
or let us live forever
we don’t have the power
but we never say never
sitting in a sandpit
life is a short trip
the music’s for the sad man
Can you imagine when this race is won
turn our golden faces into the sun
praising our leaders we’re getting in tune
the music’s played by the the madmen

Forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever?
forever and ever
forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever?
forever young

Some are like water
some are like the heat
some are a melody
and some are the beat
sooner or later
they all will be gone
why don’t they stay young
It’s so hard to get on
do without a cause
I don’t want to persih
like a fading horse
youth’s like diamonds in the sun
and diamonds are forever
So many adventures couldn’t happen today
so many sounds we’ve forgot to play
so many dreams swinging out of the blue
we’ll let them come true

Forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever?
forever and ever
forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever?
forever and ever
Forever young, I wanna be forever young
do you really want to live forever?

Wenn ihr mich aber fragt, was mir diese Lieder inhaltlich bedeuten, so ist das wenig. Sehr durchdacht ist ja keiner der Texte… obwohl mehr Lyrik darinnen steckt als in der momentanen Hitparade zusammen… es war halt noch eine Zeit, wo man dachte, es braucht ein wenig, ein bißchen Inhalt, um sich zu verkaufen…

Sicher, es wäre toll, weiterzuziehen, nach Japan… aber ich bin feige… und für immer jung sein zu wollen? In den Erinnerungen vielleicht, wenn es nicht anders geht, aber in Echt? Bloß nicht….

1 Kommentar

  • Es ist schon eine seltsame Angelegenheit, das Älterwerden. “Damals”, in den 80er Jahren, als dieser Song (Forever Young) im Radio gedudelt wurde, habe ich ihm keinerlei Bedeutung beigemessen. Aber nun – 20 years after – bildet er fast so etwas wie eine “Jugenderinnerung” – auf jeden Fall erinnert er daran, dass das Leben einfach weiter geht und dass man nichts festhalten kann.


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