Montag, 7. Januar, 2008...4:54 Uhr nachmittags
Ade, Du schöne Weihnacht…
Es ist schon ein seltsames Gefühl, keinen Urlaub zu haben, nicht krank zu sein und trotzdem an einem Montag zuhause zu bleiben… es wird wohl eine Weile dauern, bis ich mich an die halbe Stelle, die ich jetzt nur noch habe, gewöhnt haben werde. Irgendwie fühlt es sich falsch an, nicht da draußen zu sein und Geld zu verdienen… werde ich jetzt vollende zum Kapitalisten? Oder brechen nun mit aller Gewalt meine Vatergefühle durch, das Bewußtsein, zumindest vorerst der Haupternährer einer kleinen Familie von demnächst drei Menschen zu sein? So, wie mich die letzten zwei Jahre im Betrieb sehr stark verändert haben, so stark hat mich auch meine Ehe verändert. Und so stark wird mich das Baby verändern… wenn ich abends die Hand auf Guradonos kleinen Kugelbauch lege und dann “poco, poco” den kleinen Wurm fühle, wie er sich bewegt… wenn ich dann manchmal auf den Bauch leicht drücke und das Baby dagegendrückt… und wenn ich mich daran erinnere, daß das auch mein Kind ist… das ist schon ein wunderbares, unbeschreibliches Gefühl, bei dem selbst ein alter Sarkast wie ich ganz feuchte Augen bekomme… gut nur, daß die Lichter aus sind…
Dabei gibt es mehr als genug für mich zu tun. E-Mails, Gutachten, Artikel, Abschlußberichte… wie ist es nur sowei gekommen, daß sich mein Schreibtisch derart durchbiegt vor Zeug, der zu erledigen ist? Willkommen im richtigen Leben, scheint mir… die Zeit für ein gutes Buch sind auch weniger geworden, ich fahre ja jetzt nur noch dreimal die Woche nach München, also vier Lesestunden weniger…
Nachdem wir gestern schon das letzte Stückchen selbstgebackenen Stollen verputzt hatten, haben Guradono und ich vorhin den Baum abgeschmückt. Das ist auch immer so ein wehmütig-schöner Augenblick… Am schwierigsten war es, die Kerzenhalter vom Wachs zu befreien, ich habe am Ende einen Kaminanzünder genommen und das Wachs herausgeschmolzen. Sicher gibt es bessere und weniger rußige Wege… aber der ging auch… Heute Nacht bringe ich den Baum dann zum Müll. Das Wohnzimmer wird danach sicher sehr viel größer aussehen…
Heute abend müssen Guradono und ich ins Krankenhaus zu einer Informationsveranstaltung für werdende Eltern. Mal sehen, wie das wird. Ich habe gemischte Gefühle, vor allem habe ich Angst vor Krankenhäusern. Aber es wird schon gehen müssen…
In der Namensfrage sind wir übrigens weiter, wir sind auf etwa dreißig Namen herunter, jetzt müssen wir diese Anzahl nur noch verkleinern und dann irgendwann einen Namen finden, der uns beiden gefällt. Na, mal sehen, wie lange das dauern wird… zum Glück ist ja noch Zeit!








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