Donnerstag, 3. Januar, 2008...4:06 Uhr nachmittags
Neues Leben blüht aus den Ruinen und ein Kampf um den Namen…
Heute hatte ich keine Arbeit, also hatte ich mich eigentlich auf einen ruhigen, entspannten Tag gefreut, ein wenig aufräumen, ein wenig lesen, ein wenig surfen… dummerweise fing ich mit dem Aufräumen an, denn kaum war ich damit fertig (wieder ein Bücherregal so hingeräumt, daß es mir vorerst gefällt), als Guradono die spontane Idee bekam, heute unbedingt einen langen Spaziergang und Einkäufe miteinander zu verbinden… sie ist schon eine recht geschickte Zeitdiebin, meine Guradono… aber wer wäre ich, ihr zu widersprechen? Ich will ja ein guter Ehemann sein… also sind wir losgezogen.
Vorher brachte die Post aber endlich ein von Guradono unendlich ersehntes Weihnachtspaket ihrer Eltern. Hauptinhalt waren eine Digitalkamera (das Geschenk meines Schwiegervaters zum Kind, weil er sich schon denken kann, daß ich keine neue Kamera kaufen werde, solange die alte noch funktioniert und er sich hochauflösende Bilder vom Enkelkind wünscht…) und selbstgemachte Mochi (Reiskuchen) meiner Schwiegermutter. Letztere kommen aber nicht nur zu spät für Neujahr, sie sind auch noch mit Schimmel übersäht. Offenbar hatte meine Schwiegermutter die Mochi noch feucht in Plastik eingewickelt… die reine Stärke des Reis, die Feuchtigkeit und der lange Transport waren fast ideale Brutbedingungen. Sehr schade!
Aber Guradono wäre nicht Japanerin, wenn sie für einen Leckerbissen nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzen könnte. Nach den Einkäufen (die von zahlreichen Versuchen unterbrochen waren, mit der neuen Kamera Bilder zu machen) hat sie sich sofort hingesetzt und angefangen, die Mochi vom Schimmel zu befreien. Bei ein paar hat das sogar ganz gut geklappt, wir haben sie vorhin mit einer Soße aus Sojasoße und Zucker (Satojoju) gegessen. Selbstgemachte Mochi sind schon besonders lecker, diese Soße aber weniger. Immerhin: das ist erst das zweite japanische Gericht, daß ich gegessen habe, das mir nicht schmeckte… das andere ist nicht etwa das berüchtigte Natto (fermentierte Sojabohnen), das schmeckt mir sogar ziemlich gut, sondern Hijiki (ganze Sojabohnen mit irgendetwas faulig-schwarzem drumherum).
Bei den meisten Mochi wird aber nichts zu machen sein, wir werden sie wegwerfen müssen. Na ja, meine japanische Familie wäre keine japanische Familie, wenn sie nicht noch viele andere Leckereien in das Paket gesteckt hätten.
Außerdem war ein Buch über japanische Vornamen dabei, jetzt wird also der Kampf um den Vornamen des künftigen Mädchens erst richtig losgehen. Denn das Problem ist, daß Guradono einen festen Namenswunsch hat und ich auch und die beiden sind absolut inkompatibel. Da sie ein Dickkopf ist, ich hier aber auch, muß ein Kompromiß her, der uns beiden gleich gut gefällt und jedem von uns mindestens so gut gefällt, wie unsere jeweiligen Vorschläge. Das wird ein harter Kampf…








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