Heute ist schon der zweite Weihnachtsfeiertag… da ich morgen schon wieder arbeite, ist es schon ein wenig an der Zeit, das diesjährige Fest Revue passieren zu lassen…
Am Heiligen Abend haben Guradono und ich es ganz ruhig anfangen lassen. Sicher, eine stille Weihnacht hat etwas altertümelndes und spießiges an sich, aber ich bin an solchen Tagen gerne konservativ und ein Spießbürger… außerdem liebe ich Stille und Ruhe… Wir hatten uns endlich ein paar neue billige Weihnachtscds gekauft und ein Puzzle (wir beide puzzlen ganz gerne), am Abend haben wir zuerst ein schönes Stückchen selbstgebackenen Stollen (eine Gabe meines Vaters) genossen, danach die Kerzen am Weihnachtsbaum angezündet, alle anderen Lichter ausgemacht und einfach nur aneinandergekuschelt und den Flammen zugesehen, während im Hintergrund der Leipziger Thomanerchor sein CD-Konzert für uns gab. Guradono liebt diesen Chor, wie sie auch sonst der einzige Mensch außerhalb Leipzigs ist, der diese Stadt mag… Danach haben wir uns unsere Geschenke überreicht. Für Guradono gab es ein Buch über den Hortus Eystettensis, weil sie Blumen mag und da auch nicht zuviel Text dabei war, sie hatte für mich einen neuen Rucksack, weil mein alter schon kaputt ist. Das ist sicher auch der Unterschied zwischen einem Deutschen und einer Japanerin, in Deutschland schenkt man gerne etwas für den Geist, in Japan ist man da oft eher praktisch veranlagt (außer man trifft auf einen der vielen jungen Leute, die nach irgendwelchen Designersachen lechzen). Am Abend waren wir dann noch in der katholischen Christmette, die evangelische, die eigentlich die richtigere wäre, wäre zu spät gewesen… außerdem ist hier der katholische Priester sehr viel besser, er predigt klarer und besser. Und er ließ es richtig krachen, zelebrierte mit weit über 20, vielleicht sogar dreißig Ministranten! Die hatten ganz offenbar sehr viel geübt, es gab kaum Fehler im Ablauf und sogar zwei Ministranten, die völlig synchron die Weihrauchfässer schwangen… soviel barocke Glaubensleidenschaft sieht man doch selten. Vielleicht bin das nur ich, aber vielleicht liegt das auch am jetzigen Papst?
Die gespielte Musik war dagegen ganz schlicht, der Organist verspielte sich ständig und spätestens als zum Schluß die Lichter ausgingen und alle “Stille Nacht, Heilige Nacht” sangen, war es wie in der evangelischen Kirche…
Gestern, am ersten Weihnachtsfeiertag, war der übliche Canossagang zu meinen Eltern angesagt. Mein Bruder war auch da, meine Schwester leider nicht – sehr schade, weil sie sonst immer das mäßigende Element ist. Meine Eltern stritten sich, wie immer, mein Bruder war voller Neid und Haß auf mich, wie immer, die Gans war versalzen, wie immer und der Rotkohl eiskalt, ebenfalls wie immer. Ich frage mich, warum ich mir und Guradono diese Besuche immer antue… wahrscheinlich, weil sonst meine Eltern uns besuchen würden? Eine schauderhafte Vorstellung… aber ich will nicht zuviel klagen, eine disfunktionale Familie ist etwas schlimmes und trauriges, aber ich bin mir sicher, sehr viele Familien sind noch schlimmer – viele freilich auch besser…
Immerhin haben meine Eltern dieses Jahr dazugelernt und mir kein Geld geschenkt, was ich hasse. Ich denke ja immer, Geschenke brauchen nicht teuer sein, aber sie sollten zeigen, daß man sich um einen Gedanken gemacht hat. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, tendieren dagegen dazu, gedankenlos Geld, manchmal sogar viel Geld, zu geben, wie um sich die Liebe ihrer Kinder zu erkaufen… ich habe das schon als Kind verabscheut. Nun ja, dieses Jahr gab es für mich einen Büchergutschein, zumindest eine Verbesserung. Außerdem bekamen wir spanische Weihnachtssüßigkeiten, darüber bin ich schon sehr froh… Meine Schwester war zwar krank und nicht da, aber sie schenkte mir zwei wunderschöne Artbooks zu Magic Knight Rayearth, die ich mir schon sehr lange gewünscht habe…
Das schönste Geschenk war aber sicherlich, daß sich das Baby in Guradonos Bauch pünktlich am Heiligen Abend das erste Mal so bewegt hat, daß ich es spüren konnte. Da wird einem ganz anders, man spürt wirklich, daß da ein neues Leben entsteht, an dem man selbst nicht ganz unschuldig war. So etwas ist einfach nur schön… schon alleine deswegen werde ich dieses Weihnachtsfest als ein sehr schönes in Erinnerung behalten…
Heute lassen Guradono und ich alles in Ruhe ausklingen, mit unserem eigenen japanischen Festessen, Oden. Das ist eine Art Eintopf, in dem verschiedene japanische Fischprodukte, Rettich, hartgekochte Eier, Algen usw. zusammen gekocht werden. Ein wenig wie spanisches Cocido… Es ist mein japanisches Lieblingsessen und das erste Essen, daß Guradono für mich je gekocht hat, also auch eine schöne Erinnerung…







