Montag, 24. Dezember, 2007...12:32

Auf dem Christkindlesmarkt…

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… da kann man was erleben… am Freitag waren Guradono und ich auf dem Hauptchristkindlesmarkt in München, davon will ich heute erzählen.

Eigentlich wollten wir vor allem zu Guradonos Chefin (sie arbeitet von zuhause für den DVD-Verleih eines japanischen Geschäftes in München) und ihr einen Weihnachtsanstandsbesuch abstatten, und außerdem Zutaten für unser japanisches Weihnachtsessen kaufen. Aber weil wir gerade schon so schön in der Innenstadt waren, wurde dann doch noch ein langer, schöner Bummel über den Weihnachtsmarkt daraus.

 Ich mit Bratwurstsemmel…

Mit einer Japanerin über den Weihnachtsmarkt zu schlendern macht noch mehr Spaß als mit Deutschen. Denn die Mentalität ist einfach anders. Wo Deutsche wahrscheinlich von Glühwein zu Glühwein wandern (bzw. am Ende wanken – zumindest war das früher bei mir der Fall), wollen Japaner essen. Und nicht etwa mal eine Semmel oder eine Packung gebrannter Mandeln, sondern alles und überall. Selbst eine so kleine und zierliche Person wie Guradono kann dann auf einmal Mengen heruntermampfen, die man ihr nicht zutrauen würde. Wo steckt sie das nur alles hin? Ich bin neidisch…ich habe natürlich auch wacker mitgehalten, aber bei mir wird man’s wahrscheinlich jetzt schon merken, wo ich es hingetan habe… weigere mich aber beharrlich, während der Weihnachtszeit auf die Waage zu steigen, man will ja eine schöne Zeit haben…

Altdeutsche Romantik a la Steiff…

Eröffnet wurde der Besuch folgerichtig mit einer schönen Portion Reibedatschi, auch als Kartoffelpuffer bekannt. Waren gar nicht so schlecht, nur entsetzlich fettig. Wir haben die mitgelieferte Serviette also erstmal dazu verwendet, die Datschi ein wenig abzutrocknen. Danach ging es zum Kaufhof am Marienplatz. Ich weiß nicht, seit wievielen Jahren schon, aber mindestens seit Anfang der 80er Jahre dekorieren die ihre beiden Hauptschaufenster zur Weihnachtszeit immer mit bewegten Steiff-Plüschtieren. Guradono kannte das noch nicht, also war es für sie doppelt faszinierend.

Burg Steiff…

Für mich ist es aber auch immer nett, wenn auch jedes Jahr auf eine andere Weise. Diesmal fielen mir vor allem zwei Dinge auf: Wie sehr sich doch das Diorama immer bemüht, die“gute alte Zeit“ darzustellen, mit Fachwerkhäusern, einem Almhaus und sogar einer Burg mit einreitendem Affensoldaten (fast schon ironisch, denn heißt das dann nicht, daß man sich zum Affen macht, wenn man zur Armee geht?). Der Gegensatz ist besonders frappierend, wenn man sich vor Augen hält, daß das Kaufhausgebäude selbst ein riesiger, häßlicher bunkerartiger Betonklotz ist, für den seinerzeit mehrere historistische Bauten im „altdeutschen“ Stil weggerissen wurden.  Sehnsucht nach einer besseren Zeit verkauft sich aber wohl besser, als Steifftierchen in einer modernen Kulisse…

Weihnachtsmann a la Steiff…

Sogar Höflichkeit kennt man noch:  Der Bürger (oder gar Bürgermeister?) zieht vor dem Weihnachtsbär brav den Zylinder… nur soweit, daß aus dem Weihnachtsmann wieder ein Heiliger Nikolaus (oder Nikobär) wurde, soweit ist man auch trotz deutschem Papst nicht gegangen…

Das Publikum drängt sich, aber nur ein Kind…

Das andere, was mir auffiel, war, daß zwar wie jedes Jahr ein Mordsgedränge an den Schaufenstern herrschte, dieses Jahr aber kaum Kinder dabei waren. Natürlich kann daran auch der Mangel an Kindern Schuld sein, aber da wir sonst auf dem Christkindlesmarkt genügend herumlaufen sahen, scheint der Grund ein anderer zu sein. Wahrscheinlich sind die heutigen Kinder eher an  Playstation und WII interessiert, als an Stofftieren, die sich immer auf die gleiche Art und Weise bewegen… die alten Menschen dagegen wollen sich in Nostalgie ergehen, in einer Welt immer kleinerer Renten…

Und die Gitarre tönt traurig

Da kann dann selbst der Gitarrenaffe nichts mehr machen… was er wohl spielt? Ich habe versucht, das Notenblatt zu lesen, aber es war zu klein und offenbar ohne Sinn bedruckt… soo sehr ist man halt doch nicht ins Detail gegangen…

Danach ging es zum nächsten kulinarischen Halt. Diesmal bekam ich eine Thüringer Bratwurst in der Semmel, Guradono eine Polnische, ebenfalls in der Semmel und auf besonderen Wunsch mit Ketchup. Es war so lecker, daß wir uns an der Mariensäule damit photographierten. Schade: Guradono sieht auf ihrem Photo richtig fröhlich aus, aber sie meinte, ich solle das nicht posten… also gibt es nur mein Photo….

Am Springerlestand…

Weil wir ja selbst Springerle gebacken haben, fanden wir einen Stand, an dem es Springerle nach alten Formen zu kaufen gab, besonders nett. Schade, daß fast alle in Zelophan eingewickelt waren, so sind die meisten Photos nix geworden…

Wappenspekulatius…

Guradono hat mir dann dieses Springerle geschenkt, mit einem interessanten Wappen darauf.  Auf dem ersten Blick sieht es ja wie das Bayerische Herzogswappen aus, aber Rauten und Löwen sind vertauscht. Also muß es das Wappen der Pfälzer Kurfürsten sein. Das lustige ist aber, daß zu den Kurfürstenwappen immer ein Herzschild mit einem Sinnbild der jeweiligen Kur gehört, für die Pfalz war das auf Rot ein goldener Reichsapfel… der fehlt hier. Also zeigt das Wappen einen Zustand, den es nur zwanzig Jahr gab, zwischen 1628, als man der Kurpfalz die Kurwürde entzog, und 1648, als sie sie wieder bekam. Soo alt kann die verwendete Model aber sicher nicht gewesen sein. Wahrscheinlich also nur ein Fehler des Schnitzers, den der normale Einkäufer ja auch nicht merkt… aber für mich gehören solche Dinge zu den kleinen Freuden des Alltags…

Gedrängel…

Weiter ging es dann zum Krippenmarkt auf dem Rindermarkt. Eigentlich wollen Guradono und ich schon einmal eine richtige Krippe für uns, aber das ist viel zu teuer… also gucken wir fleißig… leider hat man den Fehler gemacht, mitten auf dem Rindermarkt zwei Glühweinstände und einen Essensstand zusammen zu legen – das Gedränge war enorm…

Eigentlich wäre dann Zeit für den Nachtisch gewesen, aber wir fanden keinen, der uns zusagte. Also gabs für Guradono noch eine Fleischpflanzerlsemmel und diesmal für mich eine Polnische im Brötchen. Ein schöner Abend!

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