Heute hatte ich einen langen Tag… wir haben die beiden letzten Plätzchensorten gebacken (japanische Kekse mit Grüntee – Macha – und Spitzbuben) und waren für die Feiertage einkaufen. Am ersten Weihnachtsfeiertag müssen wir zu meinen Eltern, was sicher ein Spaß wird, am zweiten wollen wir dann doch lieber zuhause mit meinem japanischen Leib- und Magengericht feiern: Oden! Aber davon schreibe ich dann, wenn es soweit ist…
Also zu etwas völlig anderem! Vor ein paar Tagen bin ich einmal wieder auf YouTube gesurft. Die Plattform mag ja nicht mehr das sein, was sie mal war, seit immer mehr Medienkonzerne darauf achten, daß ihre Sendungen nicht mehr ihren Weg darauf finden, sie ist aber immer noch eine wunderbare Fundgrube gerade auch für alte und skurrile Dinge.
Eigentlich bin ich ja selbst zu jung dazu, aber seit ich den wunderbaren Film “In the Mood for Love” von Wong Kar-Wai gesehen habe, in dem nur die spanischen und nicht etwa die englischen Versionen von Nat King Cole verwendet wurden, beschäftigt mich die Vorstellung , wie schön doch die Zeiten waren, in denen automatisch von einem erfolgreichen Song Coverversionen in anderen Sprachen gemacht wurden. So etwas passiert heute ja nur noch auf untersten Niveau auf den Radiosendern für alte Leute, doch zwischen 1920 und ca. 1968 scheint das schlicht das normale gewesen zu sein.
Nehmen wir einmal ein Beispiel, etwa France Gall’s Straßenfeger von 1965 “Poupée de cire, poupée de son“, gedichtet undkomponiert vom legendären Serge Gainsbourg. Heutzutage hätte man das Lied wohl lediglich in seiner französischen Version verbreitet, doch damals…
Hier zunächst die Originalversion vom Eurovision Song Contest:
Leider hatte Fräulein Gall da einen schlechten Tag und noch kein Playback, deswegen kommt das ganze etwas verunsichert rüber. Also besser noch eine Studioversion dazu:
Soviel also zum Original. Das war nun aber französisch, also gab es, wahrscheinlich im Anschluß an den Gewinn des Grand Prix, gleich die italienische Version dazu:
Und natürlich auch eine deutsche:
Die italienische Version kann ich leider mangels Sprachkenntnissen nicht richtig beurteilen, aber die deutsche hat nun schon gar nichts mehr mit dem Originaltext zu tun. Offenbar hat sich hier ein deutscher Textdichter ausgetobt und wollte vielleicht den “poupée” der Originals mit den “Lampollions” etwas ähnlichklingendes entgegensetzen. Daß France Gall damals offenbar noch kaum verstand, was sie sang, hört man, glaube ich, ganz schön aus… später hat sie ja einige Jahre nur auf Deutsch gesungen und meines Wissens die Sprache auch halbwegs gelernt.
Auf Spanisch – damals wie heute wegen des lateinamerikanischen Marktes wichtig – hat sie dann lieber andere Leute singen lassen, mit so halbwegs korrektem Text, übrigens. Aber da muß man auch ehrlich zugeben, Spanisch und Französisch lassen sich leichter ineinander übertragen als Französisch und Deutsch:
Warum France Gall nicht selbst auf Spanisch geschrieben hat, wer vermag es zu sagen? Später hat sie sehr wohl auch Lieder in dieser Sprache geträllert, z.B. in 1969 in einer bizarren Sendung von Francos Fernsehen:
Mein persönlicher Höhepunkt bleibt aber die japanische Version, wieder gesungen von France Gall persönlich:
Auch hier scheint der Text nahe am Original zu sein, die Aussprache ebenfalls. Vielleicht war man in Japan nicht ganz zufrieden, jedenfalls hat ein damaliger Star, Hirota Mieko, eine eigene Version eingesungen:
Wer übrigens diese Sängerin in Bewegung erleben will, sei auf dieses Video verwiesen, das bis auf die Farbe und den Kimono in etwa auch einer heutigen japanischen Pop-Sendung entstammen könnte:
In Japan scheint das Lied bis heute populär zu sein, jedenfalls habe ich noch zwei neuere Coverversionen von dort nicht ganz unbekannten Künstlern gefunden:
Und selbst in Finnland covert man bis heute gerne:
In Deutschland natürlich auch:
Und im francophonem Raum sowieso:
Aber da schweifen wir schon gewaltig vom Thema ab. Die Lieder anderer nach zwanzig oder mehr Jahren covern, na ja, das kann ja jeder. Aber sich selbst in vielen Sprachen neu ersingen, das hat schon etwas für sich. Schade, das so etwas heutzutage selten ist. Wahrscheinlich wären wir es auch nicht mehr gewöhnt. Etwa einen Rapper wie Eminem auf einmal auf Französisch, Russisch oder Neuhebräisch rappen zu hören… wir wären wohl mehr amüsiert als begeistert. Fast schade… Wobei es selbst heute noch Ausnahmen gibt: Zur WM in Südkorea und Japan sangen die Prinzen bekanntlich ihr Olli-Kahn-Lied auf Deutsch, Englisch und Japanisch:
Sicher ist auch die englische Version irgendwo auf YouTube, aber ich finde sie gerade nicht. Es ist sowieso erstaunlich, wenn ihr bis hierher durchgehalten habt. In der X-ten Version kann einem ja jedes Lied auf die Nerven gehen…







