Montag, 27. Juli, 2009

Wieder nur depressive Gedanken

Heute war also mein erster Arbeitstag. Die Arbeit an sich war gar nicht soo schlimm, ich mußte zwar über 100 Mails durchkauen, die sich angehäuft hatten, aber das ging schneller, als erwartet. Ich kam sogar dazu, mit der eigentlichen Arbeit anzufangen. Da will ich also nicht klagen.

Schön war es, am Morgen vom Hauptbahnhof in München quer durch die Innenstadt zum Tempel zu laufen. Ich war nahezu allein, nur etwas Lieferverkehr, ein paar übermüdete Nachtschwärmer und Putzmannschaften. Dazu ein klarer Himmel, noch kühle Luft… schade, dass ich jetzt zu müde bin, meine Eindrücke hier niederzuschreiben… aber es war ja nicht das letzte Mal, denn meine neue Fahrkarte geht maximal bis zum Marienplatz, da nur Bahn und S-Bahn enthalten sind, nicht aber U-Bahn, Bus und Tram. Das hat also nicht nur Schlechtes.

Ab Mittag setzte mir das heiße Wetter sehr zu. Erleichterung brachte Freund Boswell, der mir ein schönes nachträgliches Geschenk zu meinem Geburtstag machte – eigentlich sogar das einzige, was ich bisher bekommen habe. Ich habe mich herzlich darüber gefreut, war sehr berührt.

Ich mußte heute lange in der Arbeit bleiben, danach wieder zurück zum Bahnhof. Was für eine Veränderung! Stickige, heiße Luft, viele Menschen, vor der ruinösen Schönheit der Alten Pinakothek Sonnenhungrige aller Geschlechter und Altersklassen, die sich gepflegt mit möglichst wenig Kleidung grillten. Bin gespannt, wann ich die ersten „Oben Ohne“-Nackedeis hier sehe, die gibt es ja nicht nur im Englischen Garten…

Der Zug ähnelte bei der Rückfahrt einer Sauna, aber ich hatte zumindest einen Sitzplatz und meinen Walkman, ich habe es überlebt.

Zuhause der übliche Streß, die übliche Kälte. Hatte das den ganzen Tag in der Arbeit erfolgreich verdrängt, wurde dadurch noch stärker getroffen. Meine Tochter ist klug, trotz ihres jungen Alters spielt sie ihre Eltern gekonnt gegeneinander aus. Sie: 100, ich: 0. Gegen sie kann ich nur verlieren, da wird sie genauso wie ihre Mutter. Ich frage mich, ob meine Tochter instinktiv will, dass ich sie und meine Frau verlasse, denn dann hätte sie meine Guradono ganz für sich. Ich habe noch nie von einem Kind gehört, das derart Mutterbezogen ist… nun ja, wenn es so weitergeht, wird es wohl noch so kommen, zumindest überlege ich sehr, Guradono zu bitten, mit dem kleinen Monster für ein paar Monate oder Jahre nach Japan zu fahren. Eine Kapitulation? Gewiß. Bin ich feige und dumm? Aber sicher!

Nach dem Abendessen hundemüde und mit Rückenschmerzen, aber Guradono suchte noch ein bestimmtes Bild von sich selbst für irgendwelche windigen Geschäfte, die sie im Internet – das sie mehr liebt als mich (und wer kann ihr das verdenken?) – braucht. Sagte mir, ich solle ihr das Photo am Wochenende suchen, aber genau da werde ich keine Zeit haben, weil ich da Möbel aufbauen muß… oh ja, ein guter Sklave wie ich hat immer genügend Pflichten, nur keine Rechte… also habe ich mich aufgerafft und gesucht, aber das Bild nicht gefunden. Vor lauter Angst vor Guradono habe ich dann meine Festplatte durchsucht und zum Glück inmitten tausender ungeordneter Dateien die richtige gefunden. Ende gut, alles gut, sie war trotzdem mit mir wütend, nehme also an, dass mir jetzt noch weniger Zärtlichkeit droht, als sowieso schon. Aber da kann man nichts machen… lernt von meinen Fehlern und heiratet niemals! Denn mit der Hochzeit erlöschen alle Bemühungen und die Liebe wird schal.

Und jetzt ins Bett, bin hundemüde!

Sonntag, 26. Juli, 2009

Und so geht alles zuende…

Jetzt ist er also vorbei, mein Urlaub. Ab morgen geht es wieder in die Arbeit.

Wenn ich es zusammenfassen darf: das war der schlimmste, ekelerregendste, grausamste und unerfüllenste Urlaub, den ich jemals hatte. Der Umzug verlief zwar ganz gut, aber er war trotzdem ein Albtraum. Die Zeit davor war ein Albtraum, die Zeit während des Urlaubs war ein Albtraum und die Zeit seitdem ist ein Albtraum. Meine Tochter ist weiterhin haßerfüllt bis verachtend mir gegenüber und meine Frau ist eher mit dem Internet verheiratet als mit mir… Natürlich will ich niemanden Vorwürfe machen, ich weiß, der Streß ist für alle höher geworden… wenn überhaupt, dann mache ich mir Vorwürfe… ich habe mich ja schon mit meinem bisherigen Leben, mit Arbeit, Ehe, Kind übernommen, der Umzug war da nur noch eine Stufe mehr…

Das Ende der Ferien für mich ist übrigens ganz passend: vorhin hat meine Tochter eine kleine japanische Statue zerdeppert, an der ich sehr gehangen bin. Guradono und ich hatten sie zusammen in Japan gekauft, damals, als die Welt noch fast in Ordnung gewesen war… die Figur hat mehrere Autofahrten, eine Flugreise und zwei Umzüge überlebt, aber gegen meine Tochter hat nichts, an dem ich hänge, eine Chance…

Ich glaube, ich kann fast froh sein, ab morgen wieder Arbeit zu haben. Denn dann bin ich, wann immer ich zuhause bin, zu müde, um mich noch über die Lieblosigkeit meiner Familie zu ärgern oder aufzuregen. Müdigkeit ist eben auch eine Droge der ganz eigenen Art, sie macht alles gleich, läßt einen Einsamkeit und Sehnsüchte vergessen… man kann sich einfach treiben lassen…

Aber, was soll’s… heulen zählt sowieso nicht. Besser: „Augen zu und durch“. Ich bin sowieso schon sehr gespannt, was mich morgen in der Arbeit erwartet. Als ich vor drei Wochen in den Urlaub ging, habe ich 12 laufende Projekte zurückgelassen, mal sehen, wieviele davon schon an irgendeiner Wand kleben…

Samstag, 25. Juli, 2009

Letzte Stunden…

Eigentlich ist heute nicht viel passiert. Viel zu tun gäbe es ja immer noch hier, aber ich fühlte zu erschöpft und deprimiert, also ließ ich mich einfach treiben…

Heute Mittag machte mir Guradono von sich aus – was sehr selten ist – ein Geschenk an Zärtlichkeit. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Leider stehe ich wohl weiterhin unter zuviel Streß, wieder war das Gefühlserlebnis nicht so intensiv, wie ich es von früher her kenne… vielleicht werde ich aber auch nur zu alt…

Am Abend noch bei Lidl eingekauft und mit der kleinen Prinzessin auf dem Spielplatz gewesen. Es waren noch viele andere Kinder da, darunter auch ein älterer Junge, der unserer Tochter immer Eimerchen und Schäufelchen wegnahm. Seine Eltern hatten nichts dagegen und wir waren ziemlich unsicher: darf man da etwas sagen, oder gilt man dann schon als böse, brutal und asozial? Zum Glück hatte die Prinzessin einen eigenen Weg, damit fertig zu werden: sie ließ sich immer dem Jungen hinterhertragen, so lange, bis der entnervt die Sachen wieder fallen ließ. Das Spiel lief zwei oder dreimal ab, danach hatten auch wir genug und gingen.

Am Abend habe ich es dann endlich geschafft, so viele Bananenkisten mit Büchern auszupacken, dass ich nächste Woche das letzte Regal aufbauen kann. Das Wohnzimmer sieht jetzt ganz witzig aus: an zwei Seiten überaus vollgestopfte Regale, in denen zum Teil vier Reihen von Büchern hintereinander stehen, an zwei Seiten leere Wände und mitten im Raum vier Säulen mit Bananenkisten… irgendwie nett.

Freitag, 24. Juli, 2009

Dümmster Mann aller Zeiten…

…jawohl, ich muß mich outen, muß es in die Welt hinausschreien: ich, und ich alleine, bin der dümmste Mann aller Zeiten. Beweis gefällig?

Heute starteten wir unseren zweiten Anlauf, die Sache mit IKEA unter Dach und Fach zu bringen. Gestern hatten wir ja schon festgestellt, dass das mit dem EC-Cash bei der Gesamtsumme nicht mehr ging, also fuhren wir zunächst zur Bank und hoben den Gesamtbetrag und ein wenig Sicherheit dazu ab. Ehrlich gesagt, ich glaube, ich habe noch nie soviel Geld in der Hand gehabt, außerdem zum ersten Mal den 500 Euro-Schein im Original gesehen. Ich bin ein ängstlicher Mensch, das war eigentlich gar kein schönes Gefühl für mich…

Danach ging es wieder zum schwedischen Möbelhaus und erst dort bemerkten wir das Malheur: ich hatte die Bestelliste von gestern verloren! Einfach so. Ich hatte sie in den Kinderwagen getan und irgendwann, irgendwo war sie mir herausgefallen… Guradono war mächtig böse auf mich und ich, nun ja, ich konnte ihr das gar nicht verdenken und war bis aufs Innerste zerknirscht…

Wir hofften, dass sie unsere Bestellung wenigstens noch über unseren Namen herausfinden würden, aber vergeblich: keine Nummer, keine Bestellung. Ich bot an, nach Hause zu eilen und noch eine Kopie des Zettels zu suchen, aber Guradono entschied, dass es einfacher wäre, alles nochmal zu machen… also begann dasselbe Grauen wie gestern…

Nun, ich muß Guradono loben, sie hat ein wunderbares Gedächtnis, so ging es deutlich schneller als gestern, aber dafür war die Laune unserer Tochter ebenfalls deutlich schlechter als das letzte Mal. Davon abgesehen lagen unsere Nerven sowieso blank, nicht zuletzt wegen des ganzen Geldes… jedenfalls dauerte es diesmal nur etwas mehr als eine Stunde, dann hatte Guradono die Liste wieder rekonstruiert. Danach verschwand sie schonmal mit der Kleinen im Restaurant, während ich noch schnell Bett und Schrank hinzubestellte. Dabei stellte sich dann heraus, dass die Verkäufer in der Küchenabteilung eine Dunstabzugshaube auf die Liste gelassen hatten, die gar nicht mehr lieferbar ist, also mußte ich wieder zurück zur Küchenabteilung und dort eine neue bestellen… es ging also hin und her und als ich endlich im Restaurant wieder zu Guradono stieß, war sie entsprechend angesäuert. Aber auch das hatte ich zweifelsohne verdient…

Wenigstens ging der Rest recht einfach vonstatten: sowohl die Bezahlung an der Kasse als auch die Buchung von Lieferservice und Teilmontage waren kein größeres Problem. Das Ganze wird aber noch zu einem Höllentrip, denn am nächsten Mittwoch wird alles geliefert, am Freitag kommt der Monteur, bis dahin muß ich alle Küchenmöbel wenigstens zusammengeschraubt haben… da ich ab Montag wieder arbeiten muß, habe ich dazu nur zwei Abende, es wird ein ziemlicher Spaß werden… aber gut, daran will ich im Moment besser nicht denken…

Donnerstag, 23. Juli, 2009

Hölle, Dein Name kann auch IKEA sein…

Für heute nur wenige Worte, bin zu müde und meine Handgelenke schmerzen noch immer recht stark…

Heute waren wir im bekannten schwedischen Möbelhaus, um die neuen Möbel für unsere Küche und das Kinderzimmer zu besorgen. Fing eigentlich alles ganz harmlos und angenehm an, denn es stellte sich heraus, dass die örtliche Filiale hier viel einfacher mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, als das Haus in Eching bei München, in das wir ansonsten immer gegangen waren. Es ist auch deutlich größer und deutlich besser sortiert. Soweit, so gut… aber als wir in die Küchenabteilung kamen, ging es los: eigentlich hatte Guradono bereits einen detaillierten Küchenplan ausgefeilt, aber sie hatte vergessen, die ganzen Bestellnummern aufzuschreiben. So mußtesie mit einer Verkäuferin losziehen und alles neu durchsehen und in den PC eintippen. Währenddessen versuchte ich mein Bestes, mein Töchterchen bei Laune zu halten, was gar nicht leicht war. Zum Glück gab es in der Nähe Drehstühle, auf denen wir Karussell fahren konnten, Stühle, an denen sie herumklettern konnte und vor allem hatte Guradono ein Schächtelchen mit Zwieback mitgebracht, mit dem ich sie bestechen konnte. Die ersten Stunden verliefen so zwar nicht schön, aber machbar. Doch nach über zwei Stunden wurde die kleine Prinzessin natürlich unpäßlich… zum Schluß hat es über drei Stunden gedauert, die vermaledeiten Möbel für die Küche zusammenzustellen…

Danach ging es zu den Betten und Schränken. Auch hier gab es mehr zu klären, als einem lieb sein konnte, vor allem die Frage, welches Bettgestell und welche Matratze wir für unsere Prinzessin nehmen sollten. Seltsamerweise habe ich mich zum Schluß mit meinen Vorschlägen durchgesetzt, etwas, was mir so noch nie passiert war. Denn normalerweise ist es bei uns grundsätzlich so, dass alles anders gemacht werden muß, als ich es vorschlage (was an und für sich wohl auch besser so ist, auch wenn ich es gerne anders hätte…). Es muß wohl die allgemeine Erschöpfung gewesen sein…

Obwohl ich ja eigentlich nicht allzu viel gemacht hatte, außer auf die kleine Prinzessin aufzupassen, war ich doch nach dieser ganzen Sache so erschöpft und ausgelaugt, dass wir auch um meinetwegen ziemlich lange im Restaurant blieben, wo ich dann einen kostenlosen Kakao nach dem anderen in mich hineinkippte.

Und zum Schluß war doch alles für die Katz’: als wir an der Kasse waren, mussten wir feststellen, dass wir mit unseren EC-Karten den Gesamtbetrag gar nicht zahlen konnten… ich wußte ja irgendwo grob, dass es beim EC-Cash Grenzen gibt, aber so richtig hatte ich die noch nie ausgelotet… so blieben uns nur die sonstigen gekauften Kleinigkeiten (wie die Griffe für den Schrank), eine Liste und die Gewißheit, dass alles nicht so leicht ist, wie man es sich vorher so denkt…