Heute war also mein erster Arbeitstag. Die Arbeit an sich war gar nicht soo schlimm, ich mußte zwar über 100 Mails durchkauen, die sich angehäuft hatten, aber das ging schneller, als erwartet. Ich kam sogar dazu, mit der eigentlichen Arbeit anzufangen. Da will ich also nicht klagen.
Schön war es, am Morgen vom Hauptbahnhof in München quer durch die Innenstadt zum Tempel zu laufen. Ich war nahezu allein, nur etwas Lieferverkehr, ein paar übermüdete Nachtschwärmer und Putzmannschaften. Dazu ein klarer Himmel, noch kühle Luft… schade, dass ich jetzt zu müde bin, meine Eindrücke hier niederzuschreiben… aber es war ja nicht das letzte Mal, denn meine neue Fahrkarte geht maximal bis zum Marienplatz, da nur Bahn und S-Bahn enthalten sind, nicht aber U-Bahn, Bus und Tram. Das hat also nicht nur Schlechtes.
Ab Mittag setzte mir das heiße Wetter sehr zu. Erleichterung brachte Freund Boswell, der mir ein schönes nachträgliches Geschenk zu meinem Geburtstag machte – eigentlich sogar das einzige, was ich bisher bekommen habe. Ich habe mich herzlich darüber gefreut, war sehr berührt.
Ich mußte heute lange in der Arbeit bleiben, danach wieder zurück zum Bahnhof. Was für eine Veränderung! Stickige, heiße Luft, viele Menschen, vor der ruinösen Schönheit der Alten Pinakothek Sonnenhungrige aller Geschlechter und Altersklassen, die sich gepflegt mit möglichst wenig Kleidung grillten. Bin gespannt, wann ich die ersten „Oben Ohne“-Nackedeis hier sehe, die gibt es ja nicht nur im Englischen Garten…
Der Zug ähnelte bei der Rückfahrt einer Sauna, aber ich hatte zumindest einen Sitzplatz und meinen Walkman, ich habe es überlebt.
Zuhause der übliche Streß, die übliche Kälte. Hatte das den ganzen Tag in der Arbeit erfolgreich verdrängt, wurde dadurch noch stärker getroffen. Meine Tochter ist klug, trotz ihres jungen Alters spielt sie ihre Eltern gekonnt gegeneinander aus. Sie: 100, ich: 0. Gegen sie kann ich nur verlieren, da wird sie genauso wie ihre Mutter. Ich frage mich, ob meine Tochter instinktiv will, dass ich sie und meine Frau verlasse, denn dann hätte sie meine Guradono ganz für sich. Ich habe noch nie von einem Kind gehört, das derart Mutterbezogen ist… nun ja, wenn es so weitergeht, wird es wohl noch so kommen, zumindest überlege ich sehr, Guradono zu bitten, mit dem kleinen Monster für ein paar Monate oder Jahre nach Japan zu fahren. Eine Kapitulation? Gewiß. Bin ich feige und dumm? Aber sicher!
Nach dem Abendessen hundemüde und mit Rückenschmerzen, aber Guradono suchte noch ein bestimmtes Bild von sich selbst für irgendwelche windigen Geschäfte, die sie im Internet – das sie mehr liebt als mich (und wer kann ihr das verdenken?) – braucht. Sagte mir, ich solle ihr das Photo am Wochenende suchen, aber genau da werde ich keine Zeit haben, weil ich da Möbel aufbauen muß… oh ja, ein guter Sklave wie ich hat immer genügend Pflichten, nur keine Rechte… also habe ich mich aufgerafft und gesucht, aber das Bild nicht gefunden. Vor lauter Angst vor Guradono habe ich dann meine Festplatte durchsucht und zum Glück inmitten tausender ungeordneter Dateien die richtige gefunden. Ende gut, alles gut, sie war trotzdem mit mir wütend, nehme also an, dass mir jetzt noch weniger Zärtlichkeit droht, als sowieso schon. Aber da kann man nichts machen… lernt von meinen Fehlern und heiratet niemals! Denn mit der Hochzeit erlöschen alle Bemühungen und die Liebe wird schal.
Und jetzt ins Bett, bin hundemüde!







